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Vereinsporträt – „Die Rheinpfalz“

Wie aus einem Grillabend der Heimatverein Pörrbach entstand

Der Heimatverein Pörrbach hat zum zehnten Mal einen Riesen-Osterhasen am Ortseingang aufgestellt (von links): stellvertretender Vorsitzender Günter Heinz, Schatzmeister Michael Bissinger, Vorsitzende Gudrun Lindner, »Osterhasen-Dekorateur« Noah Heinz, Schriftführerin Isolde Bohn und Beisitzer Björn Heinz.Foto: Anja Benndorf

 

Die Rheinpfalz | 03. April 2026 | von Anja Benndorf

 

Ein Zugezogener hat den Pörrbachern den Heimatverein beschert. Der Verein hat mehr Mitglieder als das Dorf Einwohner und leistet einen wichtigen Beitrag für die Gemeinschaft.

Jetzt grüßt er wieder am Ortseingang: der Riesenhase aus Stroh, der allen frohe Ostern wünscht. „Die langen Ohren sind aus Holz mit Grumbeersäcken drüber“, erläutert Michael Bissinger. Der Schatzmeister des Pörrbacher Heimatvereins berichtet, dass der Mümmelmann ein beliebtes Fotomotiv sei. Gebaut wird die freundliche Figur seit 2017. „Davor hatten wir einen Schneemann dorthin gestellt“, so der 67-Jährige.

 

Ein lebensgroßer Opa, den die Vorsitzende Gudrun Lindner und ihr Ehemann Walter kreiert und auf einen Stuhl an die Bushaltestelle gesetzt hatten, konnte der Allgemeinheit nur kurze Zeit eine Freude bereiten. „Am 31. Juli 2019 wurde er einfach geklaut“, erinnert sich die 73-Jährige. Sie ist Frau der ersten Stunde des Heimatvereins.

 

Alles begann mit einem Grillfest

Keimzelle war Klaus-Dieter Holz, ein Zugezogener, wie Lindner erzählt, der Anfang der 1980er Jahre den Pörrbacher Hof gekauft hatte. Um die rund 80 Einwohner des kleinen Schwedelbacher Ortsteils näher kennenzulernen, habe er ein Grillfest veranstaltet. Der Zuspruch wuchs jährlich, schließlich wurde Gewinn erwirtschaftet und die Verbandsgemeinde Weilerbach riet dazu, einen Verein zu gründen. Dieser wurde 1988 ins Leben gerufen.

 

Mitbegründer war auch Günter Heinz, der ab 1991 für 18 Jahre das Amt des Vorsitzenden innehatte. Aktuell ist er Stellvertreter. Der 67-Jährige hat einen Traktor und einen Hof, wo er unter anderem Bierzeltgarnituren, Sonnenschirme und Schilder zum Absperren der Straße lagern kann. Deshalb hat das zentrale Event des Pörrbacher Heimatvereins, das aus dem Grillabend erwachsene Dorffest, rund um sein Anwesen stattgefunden. „Da kamen Hunderte Besucher, allein bis zu 600 Liter Bier wurden gezapft“, so Heinz. „Dazu wurde qualitativ hochwertiges Essen serviert“, erzählt Bissinger, der aus Hochdorf-Assenheim stammt und über das Dorffest im Sommer 1998 Mitglied wurde.

Das Ende einer Ära

Doch irgendwann waren die tagelangen Vor- und Nachbereitungen zu belastend. 2015 wurde die Veranstaltung ein letztes Mal organisiert. Der Heimatverein Pörrbach, der aktuell 110 Mitglieder zwischen acht und 84 Jahren zählt, hat aber noch viele andere Aktivitäten auf die Beine gestellt. Weinfahrten wurden angeboten, man nahm teil an Fasnachts- und Kerweumzügen im Umland, und mit dem Kirchenchor Schwedelbach sowie der Zithergruppe Erfenbach feierte man Advent. Heute beteiligt sich der Verein zur Weihnachtszeit mit Angeboten an der „Bude am Baum“. Auch zur Dorfverschönerung wird immer wieder beigetragen.

 

Bereits 1989 wurde ein Antrag auf Genehmigung eines Sandsteins mit Wappen eingereicht, der in der Ortsmitte stehen sollte. Bis das von Bildhauer Gerhard Rettinger angefertigte Kunstwerk aber an seinen Platz kommen durfte, dauerte es bis 2004. In einem ausrangierten Bauwagen wurden 1993 sanitäre Anlagen installiert, sodass die Ortsgemeinde keinen Toilettenwagen mehr mieten musste. Nach 20 Jahren wurde ein neuer gebaut. „Wir verleihen den regelmäßig“, sagt Heinz.

 

Seit 2011 lädt der Verein zu Comedy-Abenden ins Sängerheim Erzenhausen ein. „Wir hatten schon Detlef Schönauer hier, Chako, Spitz & Stumpf sowie das Kabarett Weibsbilder“, blickt Lindner zurück. Diesen Herbst werden René Weintz und Götz Valter vom Boulevardtheater Deidesheim erwartet. Laut Bissinger kommen durchschnittlich 160 Besucher zu den Abenden, es seien aber auch schon 230 gewesen.

 

Premiere bei der Pfälzer Genusswanderung

Rund 30 bis 50 Teilnehmer locke die Herbstwanderung an, die seit 2012 stets am 3. Oktober im Kalender steht. „Am 26. April werden wir uns erstmals an der Pfälzer Genusswanderung beteiligen“, kündigt Bissinger an. Auf dem 8,2 Kilometer langen Pletschmühlweg, einem neu ausgewiesenen Rundweg, geht es an sieben Verzehrständen vorbei.

 

Einnahmen, die nicht zur Kostendeckung benötigt werden, spendet der Heimatverein. Bohn (70), die 2007 eingetreten ist, findet so einen aktiven Verein sehr wichtig für den Erhalt der Dorfgemeinschaft. Und der übrige Vorstand pflichtet ihr nickend bei.